Viele wissen heute kaum noch, dass in der Braunschweiger Region früher Ostfälisch, also eine Variante des Platt- bzw. Niederdeutschen, gesprochen wurde.
Niederdeutsch stand in Norddeutschland bis zum 16. Jahrhundert als eigene Sprache in Konkurrenz zum Hochdeutschen. Nach der Reformation verschwand es zunehmend aus der Schriftsprache. Nur noch auf der Straße, in der Familie und vor allem auf den Dörfern blieb es bis ins 20. Jahrhundert erhalten – da allerdings keineswegs nur bei einfachen Leuten. Gleichzeitig breitete sich im Braunschweiger Land das Hochdeutsche aus.
Inzwischen scheint das Ostfälische Platt gerade in den Städten so gut wie ausgestorben. Doch fragt man Menschen des Braunschweiger Landes sieht es anders aus: Da hat fast jeder eine Oma, die es noch konnte, oder erinnert sich an einzelne Bruchstücke, die ihm von irgendwoher zugeweht sind. Wer „Bollchen“, “lütt“ oder „detsch“ sagt, weiß vielleicht nicht von den niederdeutschen Wurzeln dieser Wörter.
Den meisten ist vermutlich nicht bekannt, dass zum Plattdeutschen nicht nur das Friesische oder Hamburgische gehört, sondern dass es eine ganze Reihe von Dialekten umfasst, nämlich Ostniederdeutsch aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt und Westniederdeutsch, bzw. Niedersächsisch, das, nun ja, in Niedersachsen gesprochen wird. Niedersächsisch wiederum ist noch einmal in drei Dialekte gegliedert: Da gibt es zum einen das Nordniedersächsische, das als Dialekt am bekanntesten ist und an das die meisten denken, wenn sie das Wort ‚Plattdeutsch‘ hören. Daneben gibt es das Westfälische und das Ostfälische – das Plattdeutsch, das in unserer Region gesprochen wird. Es unterscheidet sich durch einige wichtige Merkmale vom Nordniedersächsischen. Diese hier im Einzelnen aufzulisten würde zu weit führen, stattdessen wollen wir uns auf ein Beispiel beschränken: Auf die nordniedersächsische Frage „Ick snack platt! Du ok?“ würde ein Braunschweiger antworten: „Nee! Ick snacke nich platt, ich spräe platt. In Bronswiek werd nich platt esnacket, in Bronswiek werd platt esproken.“ *

In Braunschweig gibt es natürlich auch einen Dialekt, die Sprache der Klinterklater, die viele kennen und parodieren: das Broonschwaaichische mit dem „klaren A“. Aber das ist eine andere Geschichte. In Wir können auch Platt! spielt das Nieder- oder Plattdeutsche des Braunschweiger Landes die Hauptrolle, also das Ostfälische, dessen Spuren wir fast detektivisch aufdecken und dem wir klangvoll neu Gehör verschaffen.

* Beispiel entnommen aus: Blume, Herbert: Zur funktionalen Konkurrenz von Ostfälisch, Nordniedersächsisch und Hochdeutsch im südlichen Niedersachsen, Zeitschrift für Germanistische Linguistik. Band 8, Heft 3, Seiten 314–327