Quelle: Ik junk in düstern Holte. Eduard Schmelzkopf. 19. Jahrhundert.

Schmelzkopf (1814-1896) ist ein plattdeutscher Dichter aus dem Helmstedter Raum, der sich bewusst der authentischen Sprache seiner Region bediente. Zu seinen Arbeiten gehören naturlyrische wie politische Gedichte, in denen er die Werte der Revolution von 1848 vertritt.

„Ik junk …“ ist ein düsteres Lied. Es beschreibt einen Gang durch die Nacht. Herbst. Fallende Blätter. Nebel. Das Motiv des Vorlats (= Vorahnens) konkretisiert sich hier im von Natur und Gräbern geraunten „Kummit, kummit, kummit“. Wie Irrlichter – flüchtig und allgegenwärtig – scheinen die Stimmen ins Unheil oder gar den Tod zu locken und machen das Erlebnis des lyrischen Ichs zu einer Mischung aus Vorahnung, Übersinnlichkeit, Todesangst. Erst in der letzten Strophe wird aufgelöst, wem die Vorlat-Erscheinung galt.

Motiv des Songs: Über Irr- oder Spuklichtern herrschte der Volksglaube, dass sie von Naturgeistern (Irrwischen) oder anderen Sagengestalten erzeugt würden, um Menschen im Moor absichtlich in die Irre zu führen und somit in den Tod zu ziehen. Dazu sollen sich die Irrlichter geheimnisvoll flackernd vor dem verirrten Wanderer bewegen und ihm so einen Menschen mit einer Laterne oder ein beleuchtetes Gebäude in der Nähe vortäuschen. Der Wanderer wähnt sich dem Ziel stets ganz nahe und erkennt die Gefahr zu spät.
Dieses Grundmotiv des Herumirrens und die Vorahnung eines in Gefahr befindlichen Menschen nimmt der Songtext auf. Zentral ist dabei nicht so sehr die Sorge um eine dritte Person, sondern der schwierige Weg zwischen Entwicklungsmöglichkeiten und das Irrlichtern von Ideen, die den Menschen von diesem Wege abbringen können: übersteigerte Liebe, der Einfluss von Freunden und Moden, Drogen, Furcht, Einsamkeit.

Stimmung: Atmosphärische Lockungen, Irrlichter, Scheinhaftigkeit, einen Weg verfolgen, schlechtes Wetter, Schneeregen, Dunkelheit, Nacht, Einsamkeit, Einbildungen. Aber auch Party, Hoffnung, positive Aussichten, Zukunft.

 

Hier könnt Ihr den Originaltext herunterladen:

Ik junk in düstern Holte

 

 

Und dies ist unsere Bearbeitung:
Wi sünd da – sünd hier

Ik güng in‘n düstern Holte
sau gruhlich – Schritt for Schritt
da reip et dor de Böme:
Kumm mit, kumm mit, kumm mit.

An mienen leiwen Seuten
härr‘ juste ik edacht,
mik word et vor de Ugen
noch düstrer as de Nacht.

Refrain: Wi sünd da – sünd hier

————

Et was ne scheune Fieer,
ik wolle leiwer gahn,
dü meinest noch, dü leiwst mik
und wutt mik weer seihn.

Jie staht noch gaut tauhope,
et flütt ne Masse Sprit,
jie glöwt, jie könnet fleigen,
kumm mit, kumm mit, kumm mit.

Refrain: Wi sünd da – sünd hier

Seuk‘ ik uk alltiet wieer,
ach Leiwster, täube nich,
de Nacht, mal hell, mal düster,
Schatten, Wulken, Licht.

Wi gaht in‘n düstern Holte,
sau gruhlich – Schritt for Schritt,
da reip et dor de Böme:
Kumm mit, kumm mit, kumm mit.