Quelle: Wu we willen, dat schuld! Hermann Bote. 15. Jahrhundert.

Der Braunschweiger Zollschreiber und Chronist Hermann Bote verfasste vor über 500 Jahren das Schichtbuch. Es unterscheidet sich von anderen Städtechroniken darin, dass es nicht einfach die Geschichte der Stadt Braunschweig nacherzählt, sondern auch die bürgerlichen Aufstände, sog. Schichten, in der mittelalterlichen Stadt beschreibt. Ein besonders schillerndes Kapitel ist die Schicht der ungehorsamen Bürger in den Jahren 1445/46: Schauteufellaufen. Groteske Masken. Unzufriedenheit. Schrill musizierende Handwerker ziehen durch die Stadt. Krach. Randale. Ein Mix von Loveparade und Straßenkampf. Feuer brennen. Parolen werden gerufen: „Wu we willen, dat schuld!“

Motiv des Songs: Das Lied widmet sich überzeitlichen Gefühlen in Zeiten gesellschaftlichen Unwohlseins. Gestern wie heute entstanden Revolutionen aus wirtschaftlicher Not und einem Mangel an Zukunftsperspektive bedingt durch hohe Angaben, soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit bei der politischen Teilhabe. Indem der Text Schlachtrufe aus dem 15. Jahrhundert und Songzitate aus den 70er und frühen 80er Jahren des 20. Jahrhunderts nebeneinanderstellt, zeigt er die immergleichen Gefühle einer neuen Generationen, Wut und Gewaltbereitschaft angesichts der eigenen Ohnmächtigkeit, aber auch die Bereitschaft, positiv für ihre (Menschen-)Rechte zu kämpfen.

Stimmung: Wut, Ohnmacht, Resignation, Abrechnung mit der älteren Generation, Anspannung, Tanz auf dem Vulkan. Aber auch Wille zur Versöhnung, Gemeinsamkeit, Party.

 

Da die Quellen zu diesem Lied sehr umfangreich sind, stellen wir das Originaldokument hier nicht zur Verfügung – unsere Bearbeitung hingegen schon:

Wu we willen, dat schuld

Üse Leben ward – mehr un mehr düer,
sünd nich mehr slapp un brennet wie Füer.
Wie krieget wi’t heit, gift et en morgen?
Wi dreiht lüttschig dor, hätt bluß noch Sorgen.
Wi maket veel Krach. Jie lebet boben -
nich ewig un mehr. Wi häbbet Sorgen.
Schall dat noch lange gahn?
Nü mot de Taukunft ran!

Refrain: Wu we willen dat schuld,
slogen rum up

Da boben sünd jie, wüllt üsch varklappen.
Wi sind al vor Brast bluß noch an‘n Jappen.
Et is üse Tiet, dat möt jie begriepen:
denn ohne üsch, geiht et nich wieer!
Upruhr, Rewwelutschon – wi sünd de Arben.
Dat Ule is üt, is bluß Vardarben.
Schall dat noch lange gahn?
Nü mot de Taukunft ran!

Refrain: Wu we willen dat schuld,
slogen rum up